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Egon Erwin Kisch

Egon Erwin Kisch - Schriftsteller

Kisch war der Sohn eines jüdischen Tuchhändlers und verbrachte seine Kindheit und Schuljahre in Prag. Zu Schulzeiten war er Mitglied der Schülerverbindung „Normania“. Er nahm ein Studium an der Technischen Universität Prag auf und war in der „Burschenschaft Saxonia Prag“ aktiv, einer schlagenden Studentenverbindung, die auch Juden aufnahm und heute als „BdSt Saxonia“ in Nürnberg ansässig ist. Nach einem Volontariat beim „Prager Tagblatt“ besuchte er 1905 eine Journalistenschule in Berlin. 1906 war er erstmals als Lokalreporter bei der deutsch-liberalen Tageszeitung „Bohemia“ in Prag tätig. Im Ersten Weltkrieg nahm er 1914 als Soldat am Feldzug der österreichisch-ungarischen Armee gegen Serbien teil. 1917 war er im Kriegspressequartier in Wien tätig. Er war Mitbegründer der linksradikalen „Föderation Revolutionärer Sozialisten ‚Internationale‘“ und leitete die Beilage „Die Rote Garde“ der Wochenzeitschrift „Der freie Arbeiter“. Nach Gründung der Roten Garde in Wien im November 1918 wurde er deren Kommandant. 1919 trat er in die KPÖ ein. Er unternahm Reportagereisen in die Sowjetunion, in die USA und die Republik China.

In der Nacht des Reichstagsbrandes in Berlin (27./28. Februar 1933) wurde er verhaftet und mit anderen prominenten Nazigegnern in das von der Gestapo zum „Schutzhaft“-Lager umfunktionierte Gefängnis Spandau – das ab 1946 als Kriegsverbrechergefängnis Spandau diente – gebracht, bald darauf aber als tschechoslowakischer Staatsbürger abgeschoben. Von 1933 bis 1939 lebte er in Prag und im Exil in Paris. 1937/1938 nahm er am Spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden teil. 1939 floh er in die USA. Seit Ende 1940 hielt er sich in Mexiko auf, bis er im März 1946 nach Prag zurückkehrte. In Mexiko verfasste er den autobiografischen Bericht "Marktplatz der Sensationen".

Lebenslauf von Egon Erwin Kisch

1885 29. April: Egon Erwin Kisch wird als Sohn des jüdischen Tuchhändlers Hermann Kisch und dessen Frau Ernestine (geb. Kuh) in Prag geboren.
1903 Nach dem Abschluss der Realschule studiert er an der Technischen Hochschule in Prag und an der Prager deutschen Universität.
1904 Kisch meldet sich als Einjährig-Freiwilliger.
1906 Nach dem Besuch einer Journalistenschule in Berlin wird er Volontär des "Prager Tagblatts".
1906-1913 Kisch arbeitet als Lokalreporter bei der Prager Tageszeitung "Bohemia", in deren Feuilleton er seine ersten Reportagen, meist Schilderungen aus dem Milieu der Armenviertel, veröffentlicht.
1913 Übersiedlung nach Berlin, wo er als Dramaturg am "Künstlertheater" arbeitet und für das "Berliner Tageblatt" schreibt.
1914 Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wird Kisch als Korporal der österreichisch-ungarischen Armee an die serbische Front geschickt.
1915 Nach einer Verwundung leistet er u.a. Kanzleidienste. Seine Entwicklung zum Pazifisten schildert er in seinem 1922 erschienenen Kriegstagebuch "Soldat im Prager Korps" (später unter dem Titel: "Schreib das auf, Kisch!").
1917 Kisch wird als Oberleutnant zum Kriegspressequartier nach Wien berufen.
1918 Januar: Noch während seiner Arbeit für das Kriegspressequartier wird er Mitglied in einem illegalen Arbeiter- und Soldatenrat und beteiligt sich am Wiener Januarstreik, mit dem Friedensverhandlungen erzwungen werden sollen.
1. November: Nach der Gründung der Roten Garde in Wien wird Kisch deren Erster Kommandant.
18. November: Er tritt als Kommandant zurück und wird Redakteur der Zeitschrift "Der Freie Arbeiter".
1919 Während seiner Arbeit bei der Tageszeitung "Der Neue Tag" begegnet er Joseph Roth, mit dem er lebenslang eng befreundet ist. Eintritt in die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ).
1920 Nach seiner Ausweisung aus Österreich kehrt er nach Prag zurück, wo er an den "Revolutionären Bühnen" mitarbeitet und den Reportagenband "Die Abenteuer in Prag" veröffentlicht.
1921 Umzug nach Berlin. Als freier Schriftsteller schreibt er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, vom "Berliner Börsen-Courier" bis hin zur "Roten Fahne".
1922-1926 Reisen durch Europa, Nordafrika und die Sowjetunion.
1924 Kisch wird Mitglied im "Schutzverband Deutscher Schriftsteller" (SDS).
1925-1929 Redaktionsmitglied der "Neuen Bücherschau".
1925 Wechsel zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Der Titel seines Buches "Der rasende Reporter" wird zu einem Synonym für ihn selbst.
1926 Sein Reportagenband "Hetzjagd durch die Zeit" erscheint. Seinen neuen Reportagestil entwickelt er inhaltlich und formal kontinuierlich weiter. Von seiner noch 1920 formulierten Definition der Reportage als neutrale Tatsachenberichterstattung rückt er ab, indem er die Parteilichkeit der Reportage in den Vordergrund stellt und sie als revolutionäres Kampfmittel begreift. Er thematisiert zunehmend Ausbeutungsverhältnisse und Entfremdungsprozesse in der modernen Gesellschaft.
1928 Mitbegründer des "Bunds proletarisch-revolutionärer Schriftsteller" (BPRS). Mit falschen Papieren reist Kisch in die USA, deren politische und kulturelle Situation er in "Paradies Amerika" schildert.
1929 Reisen durch die Sowjetunion und Südwesteuropa.
1931 / 32 Nach einem Lehrauftrag für Journalistik an der Hochschule in Charkow (Sowjetunion) reist er illegal nach China, worüber er den Bericht "China geheim" verfasst.
1933 30. Januar: Rückkehr nach Berlin. 28. Februar: Nach dem Reichstagsbrand wird er verhaftet, aber nach zwei Wochen durch die Intervention der Tschechoslowakei nach Prag abgeschoben.
Juni: Kisch geht nach Paris ins Exil, wo er in der "Internationalen Arbeiter-Hilfe" sowie im Exil-SDS mitarbeitet.
1934 Seine illegale Reise zum Weltkongress gegen Krieg und Faschismus nach Melbourne (Australien) beschreibt er in der "Landung in Australien".
1935 Nach Paris zurückgekehrt, ist Kisch zusammen mit Heinrich Mann im Vorstand des "Ersten Schriftstellerkongresses zur Verteidigung der Kultur", auf dem er den Vortrag "Reportage als Kunstform und Kampfform" hält.
1936-1938 Aufenthalte in Prag und Ostende (Belgien) sowie als Berichterstatter der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg.
1938 Oktober: Heirat mit Gisela Lyner in Versailles.
1939 Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs flieht Kisch von Paris nach Mexiko.
1941 In Mexiko-City arbeitet er als Redakteur der Zeitschrift "Freies Deutschland" und gründet den Verlag "El Libro Libre" (Das Freie Buch). Seine Reise-Eindrücke schildert er in dem Buch "Entdeckungen in Mexiko", das 1945 erscheint.
1942 Sein Erinnerungsbuch "Marktplatz der Sensationen" erscheint in Mexiko.
1946 Kisch kehrt über New York und London nach Prag zurück.
1948 31. März: Egon Erwin Kisch stirbt in Prag an einem Herzschlag.
© CMB Zierz & Klügel GbR - Egon-Erwin-Kisch-Str. 13, 01069 Dresden – Tel. 0351 / 417260
 
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