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"Turbomed bleibt als eigenständige Einheit erhalten, die voll im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht"
Und noch ein Paukenschlag bei der Praxis-EDV: Die Compugroup hat die Mehrheit von Turbomed übernommen und kommt nun auf einen Marktanteil von 42 Prozent. Turbomed ist seit Jahren eines der am schnellsten wachsenden Softwarehäuser. Der bisherige Alleineigentümer, Dr. Hans-Joachim von der Burchard, ist auch niedergelassener Allgemeinmediziner in Kiel. Er bleibt geschäftsführender Gesellschafter. Über die Beweggründe für die Abgabe der Mehrheit und über die Folgen für die Anwender sprach Hauke Gerlof von der "Ärzte Zeitung" mit von der Burchard.
Ärzte Zeitung: Herr Dr. von der Burchard, Turbomed ist von Ihnen vor jetzt bald 20 Jahren als Praxissoftware von einem Kollegen für Kollegen entwickelt worden. Gerade das hat Turbomed auch stark gemacht. Was bewegt Sie dazu, jetzt die Mehrheit aus der Hand zu geben?
Dr. Hans-Joachim von der Burchard: Zunächst einmal ist Turbomed nicht nur deswegen so stark geworden, weil ich Arzt bin. Wir haben uns vor allem durch Qualität und elegante Benutzerführung durchgesetzt. Ende der 80er Jahre gab es Programme, die haben für den Prüflauf für die KV-Abrechnung bis zu 16 Stunden gebraucht. Turbomed hat das von Anfang an in wenigen Minuten geschafft. Außerdem haben wir immer viel Wert auf das gelegt, was Ärzte empfinden. Wir konnten das offensichtlich besonders gut. Heute stehen wir vor ganz anderen Aufgaben als zum Beispiel bei der KV-Abrechnung: Die einschneidenden Änderungen im Gesundheitswesen, die in den kommenden Jahren zu erwarten sind, lassen neue große Anbieter wie die Deutsche Telekom auf den Markt treten. Ganz allein wäre für Turbomed die Gefahr vielleicht groß, an die Wand gedrückt zu werden.
Ärzte Zeitung: Welche Folgen wird die Transaktion für Ihre 15 000 Anwender haben?
Von der Burchard: Wir haben uns der Compugroup ja gerade deshalb angeschlossen, damit sich für die Kunden möglichst wenig ändert. Turbomed bleibt eine eigenständige Einheit, die voll im Wettbewerb zu den anderen Programmen der Gruppe wie Medistar, M 1, David oder Albis steht, aber erst recht natürlich zu den Programmen der anderen Anbieter. Wir werden durch den Zusammmenschluß eindeutig stärker als bisher.
Ärzte Zeitung: Ist der Zusammmenschluß so großer Softwarehäuser, wie es bei der Compugroup der Fall ist, nicht kontraproduktiv für den Wettbewerb und damit letztlich schädlich für die Ärzte?
Von der Burchard: Die Vielfalt bleibt doch erhalten! Mit MCS und der Doc-Expert-Gruppe sind außerhalb der Compugroup weiterhin zwei große Anbieter am Markt, immer noch werden mehr als 190 Arztprogramme angeboten, eine Übermacht eines Anbieters ist für die Anwender keineswegs zu spüren. Ich glaube, die Branche wird insgesamt gestärkt, weil es für externe Anbieter nun noch schwerer wird, Fuß zu fassen. Neueinsteiger verfügen unmöglich über das Know-how, das beispielsweise unsere Grupe jetzt hat.
Ärzte Zeitung: Wird es Turbomed auch in einer zukünftigen Programm-Version noch geben?
Von der Burchard: Selbstverständlich! Die Vielfalt wird auf jeden Fall bleiben. VW baut doch auch nicht nur noch ein Standard-Auto, sondern es gibt Lupo, Polo, Golf, Passat, Audi und schließlich Luxusmodelle wie den Phaeton. Ganz ähnlich ist es auch bei der Praxis-EDV. Jede Software hat ihr eigenes Image, jeder Anwender seine eigenen Vorlieben. Das wird auch so bleiben.
Ärzte Zeitung: Was kommt in den kommenden Jahren auf die Ärzte zu?
Von der Burchard: Die Gesundheitsreform ruft ja geradezu nach neuen, vernetzten Strukturen im Gesundheitswesen. Die Disease-Management-Programme sind erst der Anfang. Wir müssen als Anbieter die Kollegen bei der Umsetzung unterstützen. Unsere Entwicklungsabteilungen haben alle Hände voll zu tun. Wir werden schlicht und einfach weiter für die Kollegen da sein - in gewohnter Qualität.
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